Der Europäische Nerz

 
Der Europäische Nerz gehört zur Familie der Marder. Mit ca. 400 - 900 g Körpergewicht ist er etwas größer als ein Hermelin (Großes Wiesel). Die Schwimmhäute zwischen den Zehen verraten seine semiaquatische (ans Wasser gebundene) Lebensweise. Sein dichtes Fell ist gleichmäßig schokoladenbraun gefärbt, nur Schnauze und Kinn sind weiß. Diese Zeichnung unterscheidet ihn von dem äußerlich sehr ähnlichen Amerikanischen Mink.
 
In den allgemeinen Medien werden diese beiden verschiedenen Tierarten meist nicht voneinander abgegrenzt und heute ist der Europäische Nerz fast nahezu vergessen.
 
Fortpflanzung und Entwicklung des Europäischen Nerzes
 
Seit mehr als 70 Jahren wird der Amerikanische Mink ("Farmnerz") zur Pelzgewinnung in Europa gehalten und ist mittlerweile durch unbedachte Freilassungsaktionen in vielen Regionen Europas zu finden.
(siehe Bild)
 
Dieser Bruchwald ist ein idealer Lebensraum für den Nerz Nerze besiedeln dicht bewachsene, naturnahe Ufer von Fließ- und Stillgewässern sowie Sümpfe und Bruchwälder. Sie sind strenge Einzelgänger und besetzen jeweils ein eigenes Revier. Über die Größe solcher Reviere ist relativ wenig bekannt, man weiß aber, dass sie an Flüssen mehrere Kilometer lang sein können und sich die Tiere kaum mehr als 150 m vom Ufer entfernen.
 
Die Nahrung des Nerzes ist vielfältig: Das Spektrum umfasst kleine Säugetiere (z.B. Mäuse), kleinere Fische, Amphibien, Vögel, Wasserinsekten und Krebse.
 
Auch im Winter ist der Zugang zum Wasser wichtig. Gerade dann ernähren sich Nerze z. B. oft von Fröschen, die sich in der Winterstarre befinden und tauchend am Gewässergrund erbeutet werden. Dazu halten sie sich selbständig Löcher im Eis offen, wenn sich eine geschlossene Eisdecke auf dem Wasser bildet.

Das ursprüngliche Verbreitungsgebiet des Nerzes reichte vom Osten Spaniens bis zum Ural und von Zentralfinnland bis an das Schwarze Meer.

Heute existieren anstelle dieses großen Areals nur noch kleine, isolierte Bestände im Westen Frankreichs, in Nordspanien, in Weißrussland und im Donaudelta Rumäniens, neben einem größeren Vorkommen in Russland.

Neuesten Berichten zufolge gehen die Bestände jedoch auch dort drastisch zurück und die Populationen sind nicht mehr lange überlebensfähig. Der aktuelle Bestand an freilebenden Nerzen wird auf nur wenige tausend Tiere geschätzt. Diese akute Bedrohung macht es notwendig, auf breiter Ebene aktiv Rettungsmaßnahmen einzuleiten.
 
Verbreitung von Mustela lutreola - damals und heute
 
Obwohl der dramatische Rückgang in Deutschland offenbar seinen Anfang genommen hat, wurden bei uns noch lange Zeit Nerze beobachtet, so z. B. an Leine und Aller, bei Lüchow, Lüneburg und Bremen. Der letzte Nachweis eines Nerzes für ganz Mitteleuropa stammt aus Deutschland im Jahr 1925. Dieses Tier wurde im Allertal (Niedersachsen) gefangen.
 
Zu viele solch urwüchsiger Flussgebiete sind in der Vergangenheit verloren gegangen und werden noch heute zerstört Für das Aussterben des Nerzes ist eine fatale Kombination verschiedenerer Bedingungen verantwortlich:
1. die Zerstörung seines Lebensraumes,
2. früher eine starke Verfolgung und
3. heute die Verdrängung durch den Amerikanischen Mink ("Farmnerz").
 
Der bedeutendste Eingriff waren die, auch in Deutschland bereits im 17. und 18. Jahrhundert begonnenen, groß-flächigen Waldrodungen und die Trockenlegungen von Feuchtgebieten. Durch sie wurden die sehr empfindlichen Lebensräume des Nerzes, die Gewässerufer, zerstört.
 
Der Europäische Nerz und der Amerikanische Mink
Heute werden die letzten freilebenden Nerze außerdem besonders hart vom Amerikanischen Mink bedrängt und aus ihrem Lebensraum vertrieben: Der Mink ist nicht nur größer und konkurrenzstärker als der kleinere Nerz, sondern verfolgt ihn offenbar auch durch gezielte Angriffe.

Und auch ein weiteres Problem hat mit dem Mink zu tun:
Der Nerz verschwand völlig aus dem Bewusstsein der Menschen. Der Begriff "Nerz" ist heute so fest mit dem berühmten Pelzmantel und den in Farmen gehaltenen Pelztieren verbunden, dass das Aussterben des eigentlichen, Europäischen Nerzes ganz unbemerkt fortschreitet!
 
 
Europäischer Nerz

Mustela lutreola
Amerikanischer Mink

Mustela vison

(Wild- und Zuchtfarbe)
 
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